
Es waret in der Zeit der glorreichen Kreuzzüge, als ich dereinst das
Licht einer funzeligen Öllampe auf dieser Erdenscheibe erblickte.
Als Spross einer erstklassigen Thekenschlampe und eines dritt-
klassigen Würfelspielers ward ich unter dem Tresen einer be-
rüchtigten Spelunke geboren. Mein Vater spielte wieder einmal
falsch und landete dafür im ritterlichen Burgverlies.
Meine Mutter schloss sich also unbemannt, als Marketenderin
dem Heervolk der Kreuzzügler ins gelobte Land an. Auch Ich
musste mein Scherflein zu unserem Leben beitragen und begann
als junger Knappe Feuerholz zu sammeln.
Hier begriff ich sehr schnell, dass lange Hölzer anders klingen
als kurze; weil mir die Ritter mehrmals welches hinterher warfen,
wenn das gesammelte Holz zu feucht oder gar zu wenig war.
In den Wirren einer Schlacht im Osmanischen Reich ging ich der-
einst dann verloren und musste mir hier meinen Unterhalt als kind-
licher Teppichknüpfer verdienen. Sehr schnell bemerkte ich, welch’
eine Fingerfertigkeit in mir ruhte. Als der Aufseher des Sultans wahr-
nahm, dass ich größer wurde und meine kleinen Gebetsteppiche die
Ausmaße erreichten, um die Moschee des Sultans damit auszulegen,
wurd' ich auf dem Basar versteigert. Ich glaub’, ich hab sogar selbst
mitgeboten.
Mein neuer Lehnsherr war ein reicher Maharadscha mit einem
großen Harem. Hier wurde ich als Wächter eingesetzt. Da ich der
hiesigen Sprache nicht vollends mächtig war, habe ich das Kleinge-
druckte in unserem Kontrakt erst gar nicht gelesen. Dieser Flüchtig-
keitsfehler brachte mir eine unwiderrufliche Beeinträchtigung meiner
Manneskraft und darüber hinaus eine etwas höhere Stimmlage ein.
Ich wurde aber entschädigt mit vielen Erzählungen und Ratschlägen
der Haremsdamen über das Mannsvolk.
Als ich dann aus den Diensten meines Herrn entlassen wurde,
kehrte ich zurück an meine Geburtsstätte. Da ich aber kein Handwerk
erlernt hatte, besann ich mich auf die drei wichtigsten Dinge die ich
in meinem Leben gelernt hatte: Hölzer klingen unterschiedlich,
meine Fingerfertigkeit und meine höhere Stimmlage.
Das kombiniert mit den Geschichten aus dem Harem über das Manns-
volk ergibt einen trefflichen Sänger der Leidenschaft.
